Im Teich der christlichen Jugendarbeit tummeln sich Fische verschiedenster Art und Grösse. In der Natur gilt: Fressen oder gefressen werden und auch in der kirchlichen Jugendarbeit ist der Wettbewerb bisweilen hart. Wir haben auf der Inspiration-Tour nachgefragt ob es Biodiversität überhaupt braucht und wie ein gutes Miteinander von «Grossen» und «Kleinen» aussehen kann. Ein Bericht zur Inspiration-Tour 18. (abr; 4.6.2018)

 

Über 40 Jugendverantwortliche von Kirchen, Werken und lokalen Jugendallianzen bildeten am 24. Mai für einen Tag eine geistliche Weggemeinschaft. Unterwegssein ist perfekt um sich kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Denn auf  jeder Etappe findet man sich neben einem neuen Reisegefährten wieder. On the Road tankten die Verantwortungsträger neue Inspiration für ihre Jugendarbeit-Praxis. Dieses Jahr setzten sich das SEA-Jugendforum mit der Diversität in der christlichen Jugendarbeit auseinander. im vergangenen Jahrzehnt haben sich grosse Jugendkirchen etabliert. während sich viele traditionelle, eher kleine Kirchen fragen, wie Jugendliche bei ihnen Platz finden können. Höchste Zeit nicht länger ÜBEReinander, sondern MITeinander zu sprechen.

 

Auch ein Goldfisch hat seinen Reiz

Als “smal fish” lud uns die “Kirche Lachern” in Schlieren (Bund ETG) zum Gespräch ein- eine traditionelle Kirche mit einer überschaubaren Gruppen von Jugendlichen. Der SEA-Jugendbeauftragte versuchte, die Chancen und Spannungen zwischen Gross und Kleinen anhand persönlicher Erfahrungen darzulegen. Aus biblisch-theologischer Sicht gäbe es keinen Anlass, die Quantität einer Gemeinschaft moralisch zu  werten, meine Andi Bachmann-Roth weiter. Statistische Daten, insbesondere die 50:10 Regel gaben einen hilfreichen Überblick über die schweizerische Kirchenlandschaft. Die Regel besagt, dass in 10% der grössten Religionsgemeinschaften 50% aller Besucher anzutreffen sind. Hingegen sind in den 50% der kleinsten Gemeinschaften nur 10% der Besucher. Der Jugendverantwortliche der Kirche Lachern, Matthias Sidler, zeigte in seinem sehr persönlichen Einblick überzeugt, dass auch  kleine Kirchen weiter eine wichtige Rolle spielen werden. Wenn man viel in Jugendliche investiert hat und diese dann die eigene Kirche zugunsten einer grossen Kirche verlassen, sei dies schmerzhaft. Er habe jedoch gelernt solche Jugendlichen mit einen Segen ziehen zu lassen. Die Präsenz “grosser Fische” geht Matthias sehr aktiv an. So besucht er mit seinen Jugendlichen ab und zu Gottesdienste des ICF Zürich. Ein gelegentlicher Abstecher genüge jedoch den meisten.

 

Bigest fish in the city

Mit einem Segen verliessen wir den smal fish. Zu zweit reisten die Teilnehmen von einer Seite der Züricher Agglo auf die andere. In der Samsung Hall in Stettbach trafen wir den “big fish”, das ICF Zürich. Herzlich begrüssten uns die Jugendverantwortlichen Dan Nüesch und Raphal Abt. Bereits die Räumlichkeiten zeigten die Grössendimensionen der wohl bekanntesten deutschschweizer Kirche eindrücklich auf. In einem interaktiven Gespräch kamen die Teilnehmenden der Inspiration-Tour mit den ICF-Jugendverantwortlichen ins Gespräch. Dabei kam vor allem zum Ausdruck, dass hinter der von aussen sichtbaren Celeberation noch viel mehr an Gemeindeleben vorhanden ist. “Eine Kirche kann nicht zu gross, aber zu wenig klein werden. Dann nämlich wenn Menschen nicht mehr abgeholt werden.”, meinte Dan Nüesch. “Wir lassen die Teenager gemeinde bauen. Wir schauen nur, dass sie dabei nicht alles kaputt machen“, sagte Raphael Abt. Eindrücklich zeigte er auf wie im ICF Ideen unkompliziert aufgenommen und Jugendliche mit einbezogen werden. Bei Pizza und Kaffee konnte der Austausch individuell weitergeführt werden.

Raum für Begegnungen

Unterwegs nach St.Gallen bot sich Raum für ungezwungener Austausch, gemeinsames Gebet oder einfach nur eine kühle Glace. Auf dem Klosterplatz in St.Gallen begrüsste uns die Verantwortlichen der örtlichen Jugendallianz mit einem Apero. Gemeinsam mit der Jury des Jugend Vernetzungs-Award wurde der mit 2000.- CHF dotierte Preis der Jugendallianz St.Gallen übergeben (Die Jugendallianz berichtete hier). Die Rückreise bot den Teilnehmenden Gelegenheit, über ihre Projekte und Anliegen zu informieren. Der Austausch im überfüllten Interregio gestaltete sich nicht einfach, wurde von den erfahrenen Jugendverantwortlichen jedoch mit Bravour gemeistert.

 

Für mich war die Inspiration-Tour erneut ein grosser Gewinn.” meint Andi Bachmann-Roth. “Zu oft sitzen wir gemeinsam in Meetings. Dabei fehlt oft die Zeit um über Visionen und Anliegen jenseits der Agenda auszutauschen. Die Inspiration-Tour bietet diese Gelegenheit. Dies wurde auch von den Teilnehmenden dieses Jahr sehr geschätzt.”

 

die nächste Inspiration-Tour findet am 23. Mai 2019 statt. Einladungen folgen.

Download der Unterlagen zu der oben erwähnten NFP 58 Studie

NFP58_Schlussbericht_Stolz_Chaves