Am Samstag, 20. Januar 2018 startete mit dem «MEHRGRUND-Tag» in Zürich die neue Initiative der VBG. Über 60 Jugendliche kamen aus verschieden Regionen der Schweiz zusammen. Das Programm reichte von interaktiven Fragezeiten über Workshops zu spannenden Vorträgen. Dazwischen fand sich genügend Platz, um mit anderen Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen.
Das Motto: «Auf der Suche nach Wahrheit gibt es keine Tabus. MEHRGRUND ist ein Lebensstil, der Zweifel ernst nimmt und Glauben begründet.»

 

Warum denken zu glauben passt, zeigte Dr. Christian Hofreiter, Direktor des Zacharias Instituts für Wissenschaft, Kultur und Glaube in seinem Vortrag «Gott für Dummies?», der stimmig durch zwei weitere Vorträge ergänzt wurde. Er erzählte, wie er sich von den Ohropax trennen konnte, die er im Biologie Unterricht benutzte, sobald es um die Evolutionstheorie ging.

Besonders bereichernd waren die vielen Q&A-Sessions (Question and Answer), in welchen über ein Online-Tool Fragen gestellt und priorisiert werden konnten. Die eigenen Fragen stellen zu dürfen war für die Jugendlichen eine einzigartige Erfahrung. Eine weitere Möglichkeit mit zu denken gab es in den Workshops zum Thema «Gut diskutieren», «Wie wahr ist die Bibel?» und «Leid».

Eine Teilnehmerin fasst zusammen: «Am MEHRGRUND-Tag hatte ich viele ehrliche Gespräche, in denen ich gemerkt habe, dass sich die Leute nicht mit einfachen Antworten zufrieden geben. In diesen Gesprächen wurde ich neu herausgefordert, meine Meinung auf den Punkt zu bringen.»

Der gelungene Tag wurde in Zusammenarbeit mit dem Zacharias Institut und der Jugendallianz realisiert. Im August folgt der einwöchige «MEHRGRUND-Sommerkurs» im Campo Rasa im Centovalli. Auch darf man sich bereits auf den zweiten «MEHRGRUND-Tag» am 19. Januar 2019 freuen.

 

 

Interview mit dem MehrGrund-Macher

Joel Bänziger berichtet vom MehrGrund-Tag vom 20. Januar 2018, den die Jugendallianz als Partner unterstützt hat. Das Interview führte Idea

 

Der erste MEHRGRUND-Tag ist Geschichte. Wurden die Erwartungen erfüllt?
Ja, fast alle. Wir hatten ein hoch qualifiziertes Team vor Ort, das inhaltlich sehr gute Arbeit leistete. Die etwas mehr als 60 Teilnehmenden waren begeistert von den Antworten und Gedankenanstössen. In den kurzweiligen Referaten tauchten sie tiefer in einzelne Themen ein. Inhaltlich war es wie erhofft ein sehr intensiver Tag, der dem Glauben tatsächlich mehr Grund gab. Nicht ganz erreicht haben wir die erhofften 100 Anmeldungen. Trotzdem empfinde ich den Start als sehr gelungen. Die Stimmung war toll, es wurden viele Fragen gestellt, angeregt diskutiert und auch das ganze Drumherum mit Moderation, Musik, Technik und den ungefähr 30 Mitarbeitenden klappte super.

 

Was fand ganz besonders Interesse?
Höhepunkte waren sicher die drei Referate. Mit Humor, scharfsinnigen Vergleichen und logischen Argumentationsketten erklärten Christian Hofreiter, Heike Breitenstein und Johanna Gündel wie Denken und Glauben zusammenpassen, wie wir die christlichen Gebote einordnen können und welche Grundlage es eigentlich für die Auferstehung von Jesus Christus gibt. Auch die Workshops wurden positiv heraus gestrichen, weil dort im kleineren Rahmen eine persönliche und interaktive Auseinandersetzung mit einem Thema möglich war. Und zuletzt war es für die Jugendlichen eine tolle Erfahrung, einmal alle eigenen Fragen tabulos (und anonym) stellen zu dürfen.

 

Was sind die Top fünf der am häufigsten gestellten Fragen?
Die Frage mit den meisten „Votes“ war eine ganz existenziell praktische, nämlich: „Wie kann ich wissen, dass der Heilige Geist zu mir spricht und es nicht meine eigenen Gedanken sind?“. Danach folgten die Fragen, ob andere Religionen eine Lüge seien und ob es den freien Willen wirklich gibt, wenn Gott bereits alles weiss. Weitere wichtige Themen waren Schöpfung und Evolution, wie wir die Bibel verstehen und interpretieren, ethische Fragen und die Frage nach dem Leid auf der Welt.

 

Lässt sich sagen, wie viele Fragen insgesamt gestellt wurden?
Ja, es wurden insgesamt 94 Fragen gestellt. Da die Teilnehmenden alle Fragen live sehen und „upvoten“ konnten, gab es praktisch keine Dubletten. Für die 94 Fragen kamen 932 „Votes“ zusammen. Und dazu kommen noch einige Fragen, die am Schluss auf Frage-Karten abgegeben wurden.

 

Konnten alle beantwortet werden?
Nein, das war nicht möglich. Es wurden die Fragen beantwortet, die am meisten „Votes“ bekamen. Wer wollte, konnte allerdings seine Frage auf einer Frage-Karte notieren und am Schluss abgeben. Diese Fragen werden nun von einem Team persönlich bearbeitet und per Mail beantwortet. So wollen wir gewährleisten, dass niemand mit einer wichtigen Frage ohne Antwort nach Hause gehen muss.

 

Werden die Antworten gesammelt? Kann man demnächst ein entsprechendes Q&A-Buch erwarten?
Das wäre toll. Ja, wir sammeln die Fragen und auch die Antworten wo es möglich ist. Wir haben zum Beispiel auch Videoaufnahmen gemacht. Wie wir dieses Material weiter verarbeiten, ist aber noch offen und eine Frage der Ressourcen. Mir ist zudem wichtig, dass wir den direkten, persönlichen Dialog suchen und uns darauf fokussieren. Unsere Antworten sind persönliche Antworten an konkrete Menschen. Deshalb denke ich, ein Q&A-Buch wird noch nicht so bald erscheinen.

 

Wie geht es weiter mit den apologetischen Themen?
Der MEHRGRUND-Tag gehört zu einem grösseren Ganzen – zur MEHRGRUND-Initiative der VBG. Da sind bereits weitere Projekte in Planung. Im Sommer wird es einen MEHRGRUND-Sommerkurs geben, wo sich 10-15 junge Leute in Rasa (Tessin) eine Woche lang intensiv mit apologetischen Themen auseinander setzen werden. Zwei weitere Projekte, mit denen wir Schlüsselpersonen besonders fördern und Apologetik stärker in die Kirchen vor Ort tragen wollen, sind in Planung, aber noch nicht spruchreif. Und natürlich freue ich mich bereits auf den nächsten MEHRGRUND-Tag in Zürich am 19. Januar 2019.

 

 

Über mich:
Joel Bänziger, 29 Jahre alt. Ich habe nach der Matura und einem halben Chemiestudium Theologie und Pädagogik am Theologischen Seminar St. Chrischona studiert, bin verheiratet, habe drei Kinder und wohne in einer Lebens- und Hausgemeinschaft in Winterthur. Ich arbeite bei der VBG als Regionalleiter für die Mittelschulen in der Region Zürich/Schaffhausen und begleite dort VBG-Gruppen (Bibelgruppen). Daneben bin ich Projektleiter für den MEHRGRUND-Tag und mitverantwortlich für die gesamte MEHRGRUND-Initiative.

Weitere Infos zur MEHRGRUND-Initiative finden sich auf: www.mehrgrund.ch