Andi Bachmann-Roth beendet diese Tage sein Engagement als SEA-Jugendbeauftragter. Im August wird seine Nachfolgerin, Jaël Binggeli übernehmen. Andi schaut zurück auf 25 Jahre in der lokalen, regionalen und nationalen Jugendarbeit. Andi nutzt das Jubiläum und den Abschied, um das vergangene Vierteljahrhundert Revue passieren zu lassen.

 

25 Jahre lang war ich in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. In diesen Tagen darf ich eine neue Aufgabe in der SEA Übernehmen und damit geht mein Engagement mit und für junge Menschen vorerst zu Ende. Was hat sich in diesen Jahren in der Jugendarbeit verändert? Ich nutze meinen Abschied aus der Jugendarbeit für einen Rückblick.

Ich habe es geliebt, mit Jugendlichen unterwegs zu sein. Unzählige Ferien habe ich in Camps und Kursen verbracht. Am liebsten war ich mit Menschen unterwegs- sei es mit den Teenagern im Pfilas, im Trekking in J+S Kursen oder auf der Inspiration-Tour mit Leitenden. Ich weiss nicht mehr, wie viele Nächte ich auf harten Turnhallenböden geschlafen oder um Nachtruhe gerungen habe. Aber dies war es mehr als Wert, wenn man dabei sein konnte, wenn sich junge Menschen in ihrer ganzen Persönlichkeit gesund entwickeln. Ich durfte sehen, wie Jugendliche ein gesundes Selbstvertrauen entwickelten, vertrauensvolle Beziehungen entstanden, man sich Mitmenschen und die Mitwelt engagierte und wie Kraft aus einer lebendigen Beziehung zu Gott geschöpft wurde.

Was hat sich in den letzten 25 Jahren in der Jugendarbeit verändert? Dazu liesse sich viel schreiben. Drei spontane Gedanken dazu:

  • In der Jugendarbeit war noch nie viel Geld vorhanden. Umso mehr staune ich, was Verantwortliche mit ihren einfachen Mitteln, aber umso mehr Kreativität und Engagement realisierten. Und besonders schöne Sachen entstanden dort, wo Menschen zu einem starken Team zusammenfanden. Sei dies in einer lokalen Teeniegruppe oder einem PraiseCamp-Leitungsteam.
  • Wenn ich an die erste Seilbrücke zurückdenke welche ich als junger Leiter gebaut habe, bekomme ich Hühnerhaut. Wir hatten vor 25 Jahren viele Freiheiten und machten wilde, manchmal grenzwertige Aktionen. Heute ist auch in der kirchlichen Jugendarbeit vieles professionalisiert. Man kennt Schutzkonzepte, Sicherheitskonzepte, Präventionskonzepte, Notfallkonzepte u.v.m. Vieles davon ist sehr segensreich und ich durfte einige Entwicklungen selber mitgestalten. Doch die Hürden, sich freiwillig zu engagieren sind heute höher geworden. Es braucht Ausbildungen, Zertifikate und Nachweise. Aber was Jugendliche nach wie vor brauchen, ist viel Freiraum. Ich hoffe, dass sie diesen insbesondere in den Kirchen finden können.
  • Und noch etwas Letztes: Das Leben wurde für Jugendliche komplexer. Die digitalisierte Welt hat ein hohes Tempo. Wer sich hier nicht gut inszenieren kann, wird schnell abgehängt. Jugendliche wissen um diese Ansprüche und immer mehr werden deswegen krank. Ich hoffe und bete, dass wir als Gesellschaft viel Mitgefühl und Geduld für Menschen aufbringen, die sich selber in der wichtigen Phase der Adoleszenz zuerst noch finden müssen. Nur so bleiben sie offen, sich auch auf Gott einzulassen.

 

Und wenn ich Leiterinnen und Leitern in der Jugendarbeit etwas weitergeben kann, dann dies: Gönne dir Zeit in der Stille. Leg das Smartphone weg und tausche dich immer wieder mit deinem himmlischen Vater aus. Das beste was Jugendlichen passieren kann, sind Jugendverantwortliche die selber lebendig sind- weil sie mit Jesus, der Quelle des Lebens, verbunden sind